Florian Reinhardt

Florian Reinhardt

Durch seinen Beruf als TV-Produzent und Regisseur von fiktionalen und non-fiktionalen Inhalten rast Florian Reinhardt in einem atemberaubenden Tempo durch die Welt. In den Metropolen der Kontinente sind ihm dabei die verschiedensten Exit-Schilder aufgefallen, die er seit 16 Jahren fotografiert und die zu seinem Markenzeichen geworden sind. Sie sollen die Möglichkeit symbolisieren, in einer immer fremdbestimmteren Welt, in der man funktionieren muss, Sachen ganz bestimmt los zu lassen. Es gibt immer eine Möglichkeit, einfach einmal inne zu halten und auch Dinge bewusst zu beenden, um sein Leben so zu gestalten, wie man das möchte. Seine erste EXIT-Strategie traf der in Köln lebende Künstler mit 19 Jahren, als er anstatt Regie zu studieren direkt anfing, Filme zu produzieren und als Regisseur zu arbeiten.

Durch den berühmten Kunsthändler Rudolf Budja, der sein Interesse an den EXIT-Fotografien bekundete, katapultierte der Künstler förmlich aus dem Nichts in den internationalen Kunstmarkt. Seine Werke werden in Miami, New York und Salzburg ausgestellt.

Schnappschüsse von Exit Schildern: gewollt affektlos, entpersonalisiert, sich wiederholend. Omnipräsente Schnappschüsse, die die meist verbreitete Fotografieform geworden sind, haben sich in der zeitgenössischen Kunst zu einer kohärenten bildlichen Strategie entwickelt, welche die sensorische Gegenwärtigkeit des Alltags kennzeichnet. Florian Reinhardt hat über eine Spanne von fast 10 Jahren insgesamt 1024 Schnappschüsse von Exit Schildern von überall auf der Welt geschossen. Er fotografiert mit der Iphone Kamera: eine beabsichtigt spontane Geste, weder geplant, noch inszeniert, immer aus einer spezifischen Situation resultierend. Er weigert sich eine andere Kamera wie jene eines Smartphones zu nutzen, da für ihn der Akt des Fotografierens impulsiv ist und der Eingebung des Augenblicks folgen muss.

Die meisten Exit Schilder werden als Nahaufnahme gezeigt, ohne weitere Referenzen im Hintergrund – sie entziehen dem Betrachter jegliche unmittelbare Wahrnehmung von Dimension oder kulturelle Bezüge auf die Umgebung, da Exit Schilder ein globales Phänomen sind, von Sprachen unabhängig.

In einer von Zeichen überfluteten Welt, fokussiert Reinhardt und liefert eine Sicht des umgedrehten Teleskops auf alltägliche und allgegenwärtige Bedeutungsträger. Diese Träger, seien sie Exit Schilder, Wörter, Pfeile, Kreise, Quadrate oder Piktogramme, sind universell verständlich. In der jetzigen Serie beschäftigt sich Reinhardt mit der Universalisierung von Exit Schildern, und typisiert sie als wären sie auf einem Karton genagelte Spezimen.

Die Exit Serie ist in diesem Kontext als Auseinandersetzung mit Ed Ruscha’s proto-konzeptuellem Zugang zur Fotografie, sowie auch mit der Duchamp’schen Appropriation zu verstehen. Sowohl Reinhardt, wie auch Ruscha und Duchamp wenden das ikonoklastische Prinzip des Dada an, indem sie sogenannte readymades zeigen: industriell hergestellte funktionale Objekte, die ohne Modifizierungen präsentiert

werden. Diese Form der Transgression und Appropriation von Alltagsgegenständen wurde am prominentesten in Pop Art eingesetzt. Reinhardts Kollagen von 25 Einzelbilder sind eine direkte Reflexion auf Warhols Genre der multiplizierten und wiederholten Porträt Serien, im Sinne des sog. ‚assembly line effects’. Jedoch abstrahiert Reinhardt den Warhol’schen Gedanken über Einzigartigkeit einen Schritt weiter, indem die einzelnen Bilder die er nutzt, identisch sind.

Reinhardts Exit Schilder, obwohl auf den ersten Blick vollkommen objektiv akkumulieret, ohne jede bewusste künstlerische Selektion oder Hierarchisierung, haben im Unterschied zu Ed Ruscha’s Serien einen narrativen Charakter, sind dadurch subjektiv und sprengen die Grenze der Dokumentation, indem sie konzeptuell sind.

Die Fotos sind komplex und stratifiziert: über die affektlose, entpersonalisierte und repetitive Ebene von nie endenden industriellen Schildern, kommt die Ebene der kontextuellen physischen Situation, in der jeder Schnappschuss entstanden ist. Jedes einzelne Exit Zeichen entspricht einer Exit Situation, und erzählt von einer bestimmten Geschichte zu einem bestimmten Zeitpunkt, von Gelegenheiten bei denen man physisch präsent ist, mental aber weit weg. Dadurch sind Reinhardts Arbeiten nicht nur ein Archiv von readymades in Duchamp’schen Sinne, sondern auch ein Archiv von Subjektivität, wie in Theodor Adornos Begriff von mimesis postuliert.

Auf dieser Konzeptgrundlage hat sich Reinhardt - in Zusammenarbeit mit Kuratorin Anne Avramut - entschlossen, die Serie „Exit“ global und partizipatorisch zu gestalten: im Zuge der Ausstellung in der Rudolf Budja Gallery geht auf der homepage (www.exit.art) die Plattform online, wo jeder/jede, weltweit, sein eigenes Exit Schild und die dazugehörende Geschichte hochladen kann und auf welcher dann kollektiv eine Enzyklopädie des Exits entsteht. Florian Reinhardt arbeitet auf der ganzen Welt und lebt in Köln.

Kunstwerke

Exit, COMP FR22

19.900,00 €