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EMOTIONEN STATT INVESTMENT - Ein Bericht über Raiko Schwalbe und die ARTMUC

Seine Ideen sorgen immer wieder für frischen Schwung in der Münchener Kulturszene. Die von Raiko Schwalbe ins Leben gerufene ARTMUC entwickelte sich innerhalb von nur fünf Jahren zu Süddeutschlands größtem Event für zeitgenössische Kunst. Künstler wie Besucher profitieren von diesem Event hierbei gleichermaßen. Talentierten Künstlern werden erste Ausstellungsmöglichkeiten und den Besuchern erschwingliche Kunst geboten.

Autor:
Daniel Janzen
Art Consultant

Seine Ideen sorgen immer wieder für frischen Schwung in der Münchener Kulturszene. Die von Raiko Schwalbe ins Leben gerufene ARTMUC entwickelte sich innerhalb von nur fünf Jahren zu Süddeutschlands größtem Event für zeitgenössische Kunst. Künstler wie Besucher profitieren von diesem Event hierbei gleichermaßen. Talentierten Künstlern werden erste Ausstellungsmöglichkeiten und den Besuchern erschwingliche Kunst geboten.

RAIKO SCHWALBE zeigt, dass man nicht zwingend bildender Künstler sein muss, um eine gesamte Kunstszene mit immer neuen Impulsen in Bewegung zu halten. Er macht deutlich, dass man auch als Kunstliebhaber althergebrachten Strukturen frischen Wind und neues Leben einhauchen kann – sofern man denn bereit ist, die Umsetzung mit eigenen Visionen, Mut und reichlich Verve voranzutreiben. Zu Beginn des neuen Jahrtausends zog der heute 42-jährige Berliner aus der bundesdeutschen in die bayrische Hauptstadt. Seither brachte er bereits mehrfach neue Ideen in die oft noch konservativ aufgestellte Münchener Kunstwelt ein und sorgte hiermit ins- besondere im Bereich der zeitgenössischen Kunst für neuen Schwung.

Als Idee mit der größten Strahlkraft hat sich dabei die ARTMUC erwiesen. Das Kunstfestival feiert in diesem Jahr seinen sechsten Geburtstag. 2014 von Schwalbe als Experiment lanciert, ist das viertägige Happening auf der Praterinsel mittlerweile als Süddeutschlands größtes Event für zeitgenössische Kunst etabliert – ohne hierbei den vom Veranstalter gewünschten familiären Charakter einzubüßen. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die die ARTMUC auch über die Grenzen Münchens hinaus erfährt, sieht ihr Gründer auch für die Stadt das Potenzial, in Sachen zeitgenössischer Kunst international stärker wahrgenommen zu werden. Das zeigt sich bereits über die Teilnehmer. Bei der aktuellen Mai-Ausgabe in den beiden Locations im Isarforum am Deutschen Museum und der Praterinsel werden über 140 nationale und internationale Künstler sowie 20 internationale Galerien – unter anderem aus Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Portugal, Italien, Bulgarien, Ukraine und erstmals auch aus Südafrika – ihre Kunst präsentieren. Insgesamt ergibt sich so ein lebendiger Querschnitt der europäischen Kunstszene, mit Kunstwerken der Street- und Urban-Art, der digitalen Kunst und Fotografie, der 3D-Kunst, aber auch der klassischen Malerei. Kooperationen mit Institutionen der Münchener Kunstszene erweitern die Bandbreite der gezeigten Positionen.

»Lasst euer Herz und euren Bauch entscheiden – kauft, was euch gefällt, euch anspricht, Emotionen bei euch auslöst.«

Raiko Schwalbe

Die ARTMUC positioniert sich dabei aber nicht nur als Verkaufs-Plattform für zeitgenössische Kunst, sondern auch als Begegnungsstätte, an der Kontakte und Netzwerke innerhalb der europäischen Kunstwelt geknüpft werden können. Zumeist jungen Künstlern bietet das Festival Raum und somit Zugang zu einem breiteren Publikum. Die ARTMUC tritt darüber hinaus an, um neue Trends aufzuzeigen oder auch selbst zu setzen. Zahlreiche talentierte Nachwuchskünstler konnten während der bisherigen Ausgaben bereits entdeckt und auf dem Weg zum Durchbruch unterstützt werden. Über die Zusammenarbeit mit erfahrenen Galeristen wurde und wird immer deutlicher, dass der Kunstmarkt einem stetigen Wandel unterliegt, dem mit neuen Ideen begegnet werden muss. »Der Kunstmarkt befindet sich im Umbruch«, so Raiko Schwalbe. »Es ist an der Zeit, alte Gepflogenheiten auch mal über Bord zu schmeißen und offen für Neues zu sein. Wir wollen Trends setzen, statt Entwicklungen hinterherzulaufen oder diese zu kopieren.« Offen für Neues war Raiko Schwalbe schon immer. Nach der Gründung einer Kunstgalerie hatte er schnell feststellen müssen, dass es ihm zur Teilnahme an einer der etablierten Kunstmessen an den nötigen finanziellen Mitteln fehlte. Kurzerhand riefen sie deshalb 2009 einfach eine eigene Messe ins Leben. Die STROKE sollte für ihre Aussteller erschwinglich sein und eine Kunst präsentieren, die nach ästhetischen Bewertungsgrundlagen und nicht in erster Linie nach wirtschaftlichen Aspekten ausgewählt wird. Soll heißen: Eine Kunst ist nicht deshalb automatisch gut, nur weil sie teuer ist.

Dieses Credo findet sich auch in der ARTMUC. »Versucht nicht, nach irgendwelchen Investment-Ansätzen zu suchen«, rät Raiko Schwalbe allen Besuchern mit Kaufinteresse. »Lasst euer Herz und euren Bauch entscheiden – kauft, was euch gefällt, euch anspricht, Emotionen bei euch auslöst.«


TEXT: Daniel Janzen
FOTOGRAFIE: ARTMUC


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