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Zum Ersten, zum Zweiten, und ... - das Auktionshaus VAN HAM

Auktionshäuser zählen zu den wichtigsten Plattformen des Kunstmarktes. Ein Grund für uns, VAN HAM, eines der erfolgreichsten Häuser Deutschlands zu besuchen. Im Süden Kölns, im Stadtteil Raderthal, befindet sich der erst 2014 bezogene Neubau. Die Architektur lässt hier eher ein Museum vermuten als ein Auktionshaus.

Das Gespräch führte:
Elke Backes
Kunstjorunalistin

Interview mit Markus Eisenbeis

Der geometrisch gegliederte Baukörper mit seiner klaren Linienführung, den riesigen Fensterflächen und dem weiß gestrichenen Mauerwerk zitiert die klassischen Formvorgaben der Moderne. Dass auch – ganz im Sinne der Moderne – die Funktion das Raumprogramm bestimmt hat und welch vielfältige Funktionen hier unter einem Dach erfüllt werden, erklärt mir der geschäftsführende Gesellschafter Markus Eisenbeis.

Bei VAN HAM handelt es sich um ein Familienunternehmen, das 1959 von Carola van Ham-Eisenbeis, der ersten Auktionatorin Europas, gegründet worden war und das 1996 an ihren Sohn übergeben wurde. Markus Eisenbeis studierte nach einer Ausbildung im Bankhaus Sal. Oppenheim, Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Betriebswirtschaftslehre in Bonn und London.

Sie hatten damit eine Ausbildung, die zweifelsohne die gesamte Bandbreite der Qualifikationen abdeckt, die in Ihrer Position zu erfüllen sind. Hat Sie das Kaufmännische gleichermaßen begeistert wie die Kunstgeschichte?

Eisenbeis: „Es war eher so, dass meiner Ausbildung ein Deal mit meinen Eltern vorausgegangen war. Ich sollte zuerst eine Banklehre absolvieren und dann entscheiden, ob ich das Auktionshaus übernehmen möchte. Ich spürte recht schnell, dass ich nicht konzerngeeignet bin und lieber selbständig arbeiten wollte. Damit war dann klar, dass noch ein Kunstgeschichtsstudium angehängt werden musste, was mir zweifelsohne sehr viel Spaß gemacht hat.“

Das Auktionsgeschäft: Was die Börse für den Kapitalmarkt, ist das Auktionshaus für den Kunstmarkt. Das direkte und unmittelbare Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage bildet den Preis. Doch ist der Kauf einer Aktie in der Regel weniger von Emotionen begleitet, als der Kauf eines Kunstwerkes. Dabei können sich Begehrlichkeiten entwickeln, die imstande sind, den Verstand auszuschalten. Innerhalb einer Stunde werden 80 bis 100 Nummern versteigert. In rasender Geschwindigkeit muss die Kaufentscheidung für das Objekt der Begierde getroffen werden, während Mitbewerber in Sichtweite mitbieten.

Bekommen Sie, wenn Sie selbst am Pult stehen und eine Auktion leiten, diese Emotionen mit?

Eisenbeis: „Ja. Man bekommt fast alles mit. Die wenigsten Bieter können cool bleiben. Einmal habe ich sogar erlebt, wie einer Frau nach dem gescheiteren Versuch ihren Mann vom weiteren Mitbieten abzuhalten, beim Zuschlag ein Schrei entglitten ist.“ (lacht)

Und wie steht es um den Mythos, dass ein Strecken oder Zuwinken versehentlich zu einem Zuschlag geführt hat?

Eisenbeis: „Dieser Mythos ist immer für einen Running-Gag bei Auktionen gut … mehr aber auch nicht. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals irgendwo passiert ist.“

Kernaufgaben bei VAN HAM: 16 Auktionen werden jährlich in den Bereichen Zeitgenössische Kunst, Moderne Kunst, Alte Kunst, Europäisches Kunstgewerbe, Asiatische Kunst, Schmuck und Uhren sowie Teppiche und Tapisserien ausgeführt. Für jeden Bereich ist im Haus eine eigene Abteilung eingerichtet. Eingelieferte Werke werden begutachtet, auf ihre Echtheit überprüft und kunsthistorisch eingeordnet, bevor eine marktorientierte Schätzung erfolgt. Im nächsten Schritt beginnt die Vermarktung. Auflagenstarke Kataloge und ein ansprechender Internetauftritt sorgen für die nötige Medienpräsenz. Eine Woche vor dem Versteigerungstermin werden alle Objekte zur Vorbesichtigung im Haus ausgestellt.

Wenn ich nun ein Objekt entdeckt habe, was muss ich tun, um mitsteigern zu dürfen? Muss ich persönlich teilnehmen?

Eisenbeis: „Nachdem Sie sich als Bieter haben registrieren lassen, gibt es neben der persönlichen Teilnahme noch drei weitere Möglichkeiten. Telefonisch, schriftlich oder per Live-Online-Bidding, das heißt über das Internet. Sie sind dann sozusagen live zugeschaltet, bleiben aber anonym.“

Was ist Ihnen als Auktionator denn am liebsten?

Eisenbeis: „Für mich ist es natürlich am schönsten, wenn der Saal möglichst voll ist. Dann ist einfach mehr Dynamik drin. Alles geht schneller und ist entsprechend spannender. Bei Telefon- und Internetgeboten müssen immer kurze zeitliche Verzögerungen überbrückt werden, die entsprechend die Dynamik ausbremsen.“

Die persönliche Teilnahme wird in Zeiten des internationalen Kunstmarktes vermutlich immer schwieriger. Wie ist das Verhältnis des nationalen zum internationalen Geschäft in Ihrem Auktionshaus?

Eisenbeis: „50 Prozent national, 50 Prozent international.“

Was vermutlich dem Internet zuzuschreiben ist?

Eisenbeis: „Ganz genau. Unser Geschäft hat sich vollständig verändert. Das Internet ist für das Auktionsgeschäft ein unglaublich demokratisches Medium. Mit einem guten Internetauftritt und der Präsenz in den bedeutenden Such-Plattformen – eine professionelle Abwicklung gehört selbstverständlich auch dazu – existieren wir absolut gleichberechtigt neben Größen wie Sotheby’s oder Christie’s. Der Grund hierfür ist, dass die Aktivität meist vom Käufer ausgeht. Wenn jemand beispielsweise auf der Suche nach einem kapitalen Nolde ist, dann sucht er im Internet, wo ein solcher Nolde möglicherweise angeboten wird. Dann ist es ihm egal, ob das Bild in Köln, New York oder Singapur versteigert wird.“

Ist das auch einer der Gründe, warum die Preise auf dem Kunstmarkt in den vergangenen Jahren derart gestiegen sind?

Eisenbeis: „Klar. Wenn mehr Menschen von einem Angebot erfahren, steigt die Nachfrage. Je größer die Nachfrage ist, desto höher steigt der Preis. Die Transparenz im Auktionsgeschäft verbessert aber auf der anderen Seite auch die Ausgangssituation für Preisverhandlungen außerhalb des Auktionshauses. Beispielsweise kann ein Kaufinteressent auf einer Kunstmesse mit seinem Mobilgerät das Auktionsergebnis eines Vergleichswerkes nachschauen und sich unmittelbar der Angemessenheit des angegebenen Preises versichern.“

Apropos Preis: Ein beliebtes Thema in den Medien ist die Berichterstattung über die neuesten Rekordergebnisse. Eine Arbeit von Günther Uecker, die mit 600.000 – 800.000 Euro angesetzt war und für 2,75 Millionen Euro verkauft wurde, erzielte bei Ihnen das Rekordergebnis 2017. Beschränken sich die sehr guten Ergebnisse auf bestimmte Bereiche? Ist ein Trend erkennbar?

Eisenbeis: „Es lässt sich ganz klar erkennen, dass die Nachfrage nach Positionen der klassischen Moderne und Zeitgenössischen Kunst im Trend liegt. Alte Meister sind hingegen auf ein Drittel, Möbel sogar auf fünf bis zehn Prozent der früheren Ergebnisse gesunken.“

Und was wird bei Online-Auktionen angeboten, die seit neuestem Ihr Programm erweitern? In welchen Fällen entscheiden Sie sich für diese Variante?

Eisenbeis: „Online-Auktionen haben einen ganz eigenen Charakter. Wesentlich kleiner bestückt, mit 50 – 100 Losen, können wir aufgrund des deutlich geringeren Aufwandes preiswertere Arbeiten anbieten und die Auktionen deutlich flexibler gestalten. Das betrifft zum einen die Terminierung. Über die Online-Sparte können wir außerhalb der großen Frühjahrs- und Herbstauktionen im bis zu 14-tägigen Zyklus neue Arbeiten anbieten. Zum anderen betrifft es die Themenfelder. Wir können spontan neue Themen definieren und somit flexibler auf Einlieferungen reagieren und auch unsere Künstlernachlässe mit einbinden.“

Markus Eisenbeis in einem Interview mit Elke Backes

Sie sprechen damit VAN HAM ART ESTATE an? Wie kam es zur Idee dieser Gründung?

Eisenbeis: „Wir wurden immer häufiger damit konfrontiert, dass es trotz steigenden Bedarfs nach der Verwaltung von Künstlernachlässen keinen professionellen Anbieter gab. Nachdem wir intensiv die notwendigen Aufgabenbereiche analysiert hatten, stellten wir fest, dass wir unsere vorhandenen Kompetenzen und auch die vorhandene Logistik nutzen konnten, um dieses neue Dienstleistungsangebot zu entwickeln. Soll heißen: Wir sorgen für eine professionelle Lagerung, konservatorische Betreuung, Inventarisierung, erstellen und publizieren Werkverzeichnisse, sorgen also insgesamt dafür, dass der Künstler, auch mit institutionellen Ausstellungen und wichtigen Publikationen, für das kulturelle Erbe in Erinnerung bleibt.

Alles in allem sehr viele Aufgaben, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Zum Anschluss noch eine Frage an Sie persönlich: Warum sollte Ihrer Meinung nach ein Kunstliebhaber unbedingt einmal eine Auktion live erleben?

Eisenbeis: „Weil es das wahre Kunsterlebnis schlechthin ist und – insbesondere bei der eigenen Teilnahme – als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung bleiben wird.“

Das Gespräch führte Elke Backes.

Auf dem Spielplatz Meese – Atelierbesuch bei Jonathan Meese
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