Transparency without a doubt - Interview mit Magnus Resch

Immer mehr Leute interessieren sich für Kunst. Gleichzeitig werden immer weniger Kunstwerke verkauft. Wie lässt sich das ändern? Wie werden aus Kunstinteressierten neue Sammler? Magnus Resch glaubt, eine Antwort gefunden zu haben.

Das Gespräch führte:
Daniel Janzen
Art Consulting

Sein Name ist Programm. Im Lateinischen bedeutet der Vorname des 34-Jährigen »groß«. Und tatsächlich spielt der gebürtige Düsseldorfer, der im Zentrum von New York mit Blick auf das Empire State Building lebt, ungebremst groß auf, seit er im zarten Alter von 20 Jah-ren die Bühne der internationalen Kunstszene betrat. 

Als Mitbesitzer einer Galerie in der Schweiz sammelte er erste Erfahrungen und nicht zuletzt das nötige Kleingeld für sein Wirtschaftsstudium, das ihn nach St. Gallen, London und Harvard führte. In Hongkong promovierte er mit 25 zum Thema »Das Management von Kunstgalerien«, um schon bald darauf mit »Larry’s List« die bis dato weltweit größte Kunstsammler-Datenbank aus der Taufe zu heben und gewinnbringend aufzubauen. Zwischen Studium, Promotion und Entrepreneurship hat der ebenso umtriebige wie smarte Kunstszenenkenner bereits einige Bücher geschrieben.Seine Schrift über die Gründung einer Galerie gilt hierbei als Standardwerk innerhalb der Galerieszene. Und weil neben all diesen Aktivitäten offenbar immer noch Zeit und Energie übrig bleibt, hat Resch von gleich mehreren Universitäten in Europa und den USA Lehraufträge erhalten – unter anderem von der Columbia University, wo er »Management of Art Galleries« lehrt. 

Egal ob als Galerist, als Buchautor, als Hochschulprofessor oder als Entrepreneur: Wo der Name Magnus Resch draufsteht, war und ist auf jeden Fall Großes drin. Wie passend, dass er sein bislang größtes Baby gleich nach sich selbst benannt hat. Magnus ist eine App, die das bescheidene Ziel verfolgt, den weltweiten Kunstmarkt zu revolutionieren – ihn durch eine neue Transparenz zu demokratisieren. Eine »längst überfällige Aktion« so Resch. »Dem Kunstmarkt geht es nicht sonderlich gut. Die Gesamteinnahmen des weltweiten Kunstmarktes entsprechen in etwa den Einnahmen eines Unternehmens wie zum Beispiel Dell«, bringt Magnus Resch die Lage auf den Punkt. »Gleichzeitig interessieren sich so viele Menschen wie noch nie für Kunst. Bei Eröffnungen und Messen bilden sich lange Schlangen vor den Türen. Doch die Leute kaufen nicht.« 

Dass es vielfach erst gar nicht zu Transaktionen kommt, liegt seiner Ansicht nach aber nicht unbedingt an der fehlenden Kaufkraft. Vielmehr behinderten unsichtbare Hürden die Kaufabwicklung. Insbesondere die fehlende Preisangabe setze oft komplizierte Prozesse in Gang. Die Bilder sind meist nicht ausgezeichnet. Deshalb muss man die freundliche Dame in der Galerie zunächst einmal nach dem Preis fragen. Zur Beantwortung muss diese wiederum oft den Vorgesetzten hinzuziehen, der dann nach persönlicher Einschätzung deiner Person entscheiden kann, ob er den Preis überhaupt nennt. Oft heißt es dann einfach: »Ist bereits verkauft.« Was aber wäre, wenn man als Kunde über die wichtigsten Informationen zum Werk bereits verfügte und hiermit in das Verkaufsgespräch einsteigen könnte? An dieser Stelle setzt die App »Magnus« an, die ebenso einfach wie genial Licht ins Dunkel der Kunstwelt bringt: Der Nutzer fotografiert ein Werk und erhält schon kurz darauf allerlei nützliche Informationen, wie den Namen des Werks, den zugehörigen Künstler und den zuletzt erzielten Preis – zudem eine Auswahl von stilistisch und preislich ähnlich gelagerten Kunstwerken. Als »Shazam für die Kunstwelt« bewirbt Resch seine App und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Crowdsourcing füttert die dahinterliegende Datenbank sukzessive mit Informationen. Jeder Upload eines Bildes erweitert das Wissen von »Magnus« und dadurch seiner Nutzer. Als »nettes« Zusatzfeature zeigt die App in einer Karte alle Galerien in der unmittelbaren Umgebung an. 

»Transparenz ist ein enorm wichtiges Gut, um neue Käuferschichten zu erschließen.«

Magnus Resch

Und das Konzept funktioniert, die Nachfrage ist riesig: Innerhalb der ersten fünf Monate nach dem Marktstart der App hatte »Magnus« schon mehr Daten gesammelt als beispielsweise »Artsy« in den ersten vier Jahren. Zwei Jahre sind seither vergangen und Reschs App ist mit inzwischen zehn Millionen Datenbank-Einträgen in der Gegenwart auf dem besten Weg, die größte kunstbezogene App weltweit zu werden. »Transparenz ist ein enorm wichtiges Gut, um neue Käuferschichten zu erschließen«, sagt Magnus Resch. Diese neuen Käuferschichten wiederum würden dem Kunstmarkt neues Leben einhauchen und ihm das elitäre Elfenbeinturm-Image nehmen. 

Eine zweifellos grandiose und keineswegs unrealistische Vision. Das hat auch Leonardo DiCaprio erkannt. Seit Februar dieses Jahres ist er Investor und Berater der App. 

Das Gespräch führte Daniel Janzen. 

Genialische Aneignung
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