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KUNSTFÖRDERUNG IM RHEINLAND – DIE SAMMLUNG VIEHOF

Mein Weg führt mich heute in die Villa Hecht in Mönchengladbach, den Firmensitz der Vibro Gruppe. In der repräsentativen Gründerzeitvilla treffe ich Eugen Viehof, einen der drei Brüder der Sammlung Viehof, die als eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst gilt.

Das Gespräch führte:
Elke Backes
Kunsthistorikerin

Ein Interview mit Eugen Viehof

In den Deichtorhallen Hamburg waren 2016 an zwei Standorten erstmals 650 der über 1000 Werke präsentiert worden, die nach Auflösung der Gemeinschaftssammlung Rheingold (2002 – 2014) das neue Konvolut definieren.

WIE SETZT SICH DAS NEUE KONVOLUT DER FAMILIENSAMMLUNG ZUSAMMEN?

VIEHOF  Drei Teile aus insgesamt fünf Jahrzenten bestimmen letztlich die Sammlung Viehof: Den ersten Teil bildet eine gemischte Sammlung von Werken unserer Eltern, meinen Brüdern und mir, den zweiten Teil Werke von Rheingold, den dritten das Konvolut der Sammlung Reiner Speck, das 2008 von uns erworben wurde. Insgesamt sind es Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation und Video. Den Schwerpunkt bilden künstlerische Positionen der Nachkriegsmoderne bis heute von Künstlern wie beispielsweise Josef Beuys, Jörg Immendorff, Sig- mar Polke, Rosemarie Trockel oder auch jüngeren wie Jonathan Meese, Neo Rauch, Danh Vo oder Charline von Heyl.

Eugen Viehof

WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE DREI BESTÄNDE? WURDE DAS JEWEILIGE SAMMELN DURCH UNTERSCHIEDLICHE MOTIVATIONEN GEPRÄGT?

VIEHOF  Ja. Während innerhalb der gemischten Sammlung persönliche Vorlieben und Leidenschaften unserer Eltern und uns Brüdern die Ankäufe bestimmt hatten, folgten die Ankäufe bei Rheingold insbesondere den Ratschlägen des eigens hierfür gegründeten Beirats. Inhaltlich unterscheiden sich die Arbeiten daher dadurch, dass der elterliche Bestand noch von gesicherten Positionen des 19. Jahrhunderts und unser eigenes Sammeln überwiegend von »guten Werten« aus der rheinischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts geprägt war. Mit der Sammlung Rheingold begann die Erweiterung ausgehend vom Ende des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Das Konvolut der Sammlung Speck, eine der zentralen rheinischen Sammlungen konzeptueller Kunstgeschichte mit Schwerpunkt auf die Jahre 1965 bis 1985, ergänzte diesen Sammlungsteil inhaltlich hervorragend.

MIT DER AUFLÖSUNG VON RHEINGOLD WURDE AUCH DER BEIRAT AUFGELÖST. VERZICHTEN SIE MITTLERWEILE VOLLSTÄNDIG AUF EXTERNE BERATUNG?

VIEHOF Nein. Nach wie vor holen wir, insbesondere bei größeren Ankäufen, einen Expertenrat ein. Uns geht es zum einen um die sinnvolle Vervollständigung oder auch Erweiterung unserer bestehenden Sammlung, zum anderen aber auch nach wie vor um die Förderung junger, noch un- bekannter Positionen. Vor allem hierbei bin ich für fachkundige Unterstützung dankbar. Mir fehlt oft der Zugang zu Werken, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Bekomme ich dann aber Informationen und Hintergründe vermittelt, passiert es oft, dass anfängliche Skepsis in spontane Euphorie umschlägt. Auch waren es externe Berater, die uns darauf aufmerksam gemacht haben, dass es in unserer Sammlung an weiblichen Positionen fehlt. Seit 2017 erweitern wir sie deshalb bewusst um Werke von Künstlerinnen.

INWIEFERN HAT DIESE ZEIT MIT IHREN SEHR VIELFÄLTIGEN BEGEGNUNGEN IHREN PERSÖNLICHEN KUNSTGESCHMACK VERÄNDERT? TRETEN SIE NEUEN POSITIONEN NEUGIERIGER ENTGEGEN?

VIEHOF  Es macht Spaß, sich immer wieder der Auseinandersetzung mit Kunst und deren Vertretern zu stellen. Rauszutreten aus dem Alltäglichen fordert, strengt manchmal an, aber erweitert auch den Horizont und lässt die so oft unbewusst angelegten Scheuklappen gegenüber dem Anderssein fallen. Geschmack ändert sich laufend, auch in der Kunst. Deshalb ist es wichtig, nicht alles mitzumachen, sondern ein klares Sammlerziel umzusetzen.

WIRD ES IRGENDWANN EIN EIGENES AUSSTELLUNGSHAUS GEBEN?

VIEHOF  Nein. Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, um weiterhin flexibel bleiben zu können. Wir sehen es als unsere zentrale Aufgabe, eng mit den Museen und Ausstellungshäusern zusammenzuarbeiten, Werke zur Verfügung zu stellen, Künstler aus der Sammlung zu fördern und das Rheinland als Standort der Kunstproduktion- und präsentation zu unterstützen.

WIE SIEHT DIESE ZUSAMMENARBEIT GENAU AUS?

VIEHOF  Bereits bei der Überlegung eines Ankaufs spielt ein mögliches Ausstellungsinteresse eine entscheidende Rolle. Wir möchten unsere Kunst nicht für unser Depot erwerben, sondern sie ausgestellt, für jedermann zugänglich sehen. Zur konkreten Zusammenarbeit haben wir deshalb ein Onlineverzeichnis unserer Sammlung entwickelt, das ausgewählten öffentlichen Institutionen einen direkten Zugang ermöglicht. Mit dieser Transparenz stellen wir sicher, dass unsere Werke national wie international zu finden sind und entsprechend für Ausstellungen angefragt werden können. Ein Beispiel für eine engere Kooperation ist die Ausstellung »Polyphon« in der Langen Foundation Neuss im vergangenen Jahr. Die Arbeiten aus unserer Sammlung bildeten hier das Fundament des Ausstellungskonzeptes, welches die vertretenen Künstler in die weitere Entwicklung aktiv mit einbezog. Außerdem konnten wir mit 15 unserer Arbeiten die Immendorff-Ausstellung »Für alle Lieben in der Welt« im Haus der Kunst in München ergänzen, die in diesem Jahr dann auch im Museo Reina Sofia in Madrid zu sehen sein wird.

IST ES FÜR SIE WICHTIG, DASS IN IHRER SAMMLUNG EIN PROGRAMM, EIN INHALTLICHER ZUSAMMENHANG ERKENNBAR IST, ODER VERTRETEN SIE DEN STANDPUNKT, DASS SAMMELN IN ERSTER LINIE VON LEIDENSCHAFT BESTIMMT SEIN SOLLTE?

VIEHOF  Beides. Alle unsere Werke verbindet inhaltlich, dass ein Bezug zum Rheinland gegeben ist. Dieser Bezug kann in der Heimat des Künstlers/der Künstlerin begründet sein, dem Standort seines/ihres Ateliers, dem Besuch der Kunstakademie Düsseldorf oder auch in einer bedeutenden Ausstellung, die im Rheinland stattgefunden hat. Diese diversen Bezüge lassen eine Vielfalt an Leidenschaft zu, die jedem von uns Brüdern Raum für seine persönliche Leidenschaft in der Kunst zugesteht.

»Wir möchten unsere Kunst nicht für unser Depot erwerben, sondern sie ausgestellt, für jedermann zugänglich sehen. Zur konkreten Zusammenarbeit haben wir deshalb ein Onlineverzeichnis unserer Sammlung entwickelt … «

Eugen Viehof

Gespräch & Text: Elke Backes
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