Das Sammler-Einmaleins zum Thema Druckgrafik

Bei einer Druckgrafik gestaltet der Künstler einen bestimmten Druckträger wie z.B. eine Holz- oder Metallplatte. Das Motiv wird dann auf ein Bildmaterial – zumeist Papier – gedruckt. Es gibt manuelle und maschinelle Druckverfahren. 

Die bekanntesten Techniken sind die Radierung, die Lithografie, der Siebdruck und der Holzschnitt. Bis zum 19. Jahrhundert war auch der Kupferstich sehr beliebt, neuere Druckverfahren sind der Offset und digitale Druckverfahren wie z. B. C-Print, Giclée oder Tintenstrahldruck. Häufig werden in Mischtechniken mehrere Verfahren miteinander kombiniert. 

01 Was versteht man eigentlich unter einer Druckgrafik?

HOLZSCHNITT 

Der Holzschnitt ist die wohl älteste Form der Druckgrafik und wurde in China bereits im 6. Jahrhundert, in Europa erst ab dem 13. Jahrhundert verwendet. Diese Technik geht mit der Herstellung von Papier einher, das das bis dahin übliche Pergament ablöste. Künstlerisch führte bereits Albrecht Dürer den Holzschnitt zur Perfektion, später inspirierten die japanischen Holzschnitte auch die europäische Malerei. Expressionisten wie Karl Schmidt-Rottluff und Ludwig Kirchner und später HAP Grieshaber führten den Holzschnitt in die Moderne. Der Holzschnitt ist bis heute relevant und wird z. B. von Künstlern wie Damien Hirst, Donald Judd und Günther Uecker eingesetzt. 

RADIERUNG 

Mit einer Radiernadel kratzt der Künstler das Motiv in eine meist mit Wachs beschichtete Metallplatte. Danach wird die Platte mit Säure behandelt. An den Stellen, wo das Wachs entfernt wurde entstehen Tiefen zur Aufnahme der Drucktinten. Bei der Kaltnadelradierung wird direkt in die Metallplatte gekratzt. Mit den Techniken der Mezzotinto oder der Aquatinta wurde die Radierung um die Darstellung einheitlicher Flächentöne ergänzt. Bereits der niederländische Meister Rembrandt machte die Radierung populär und ging als einer der ersten bedeutenden Druckgrafiker in die Geschichte ein. Von Picasso und Dali bis Penck und Baselitz gehört die Radierung bis heute zu den beliebtesten Techniken der Originalgrafik. 

PRÄGEDRUCK 

Eine Variante der Radierung ist der Präge- oder Reliefdruck, bei dem die Druckplatte starke Erhöhungen und Vertiefungen aufweist. Farblose Prägedrucke werden auch als Blinddruck oder Gaufrage bezeichnet. Diese Technik wird z. B. von Günther Uecker verwendet, der statt einer klassischen Druckplatte benagelte Holzplatten einsetzt. Klassische Prägungen sind nur bis zu einer gewissen Tiefe möglich und von der Reißfestigkeit des Papieres abhängig. Seit den 80iger Jahren ist auch die Aquagravur sehr beliebt, bei der das Papier in eine Negativform gepresst oder eine Form mit vielen dünnen Papierlagen beschichtet wird. Uecker nutzt diese Technik bis heute für seine spektakulären tiefen Prägedrucke. 

LITHOGRAFIE 

Stammt vom griechischen »Lithos« = Stein und »Grafos« = zeichnende/malende Kunst. Die Lithografie wurde von Alois Senefelder im Jahr 1803 erfunden, wobei mit Fett auf Sandsteinplatten gemalt wurde. Die mit Fett behandelten Bereiche ziehen die Farbe an, die unbehandelten Bereich stoßen die Farbe ab. Mit der Lithografie konnten erstmals größere Auflagen gedruckt werden, wobei i. d. R. für jede Farbe ein gesonderter Stein verwendet wurde. Die Lithografie als Kunstform wurde berühmt durch Henri de Toulouse-Lautrec und später durch das legendäre Druckatelier der Gebrüder Mourlot, die für Künstler wie Pablo Picasso, Joan Miró oder Marc Chagall arbeiteten. 

SIEBDRUCK 

Im Siebdruck wird die Druckfarbe mit einem Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe (Sieb) aufgetragen. Schablonen oder fotografisch erstellte Gelatinefolien decken die Bereiche ab, die jeweils nicht bedruckt werden sollen. Im Siebdruck – auch Serigrafie oder Screenprint genannt – kann auf verschiedenste Untergründe gedruckt werden, z. B. auch auf Textilien oder Kunststoffe. Je Vorgang wird immer nur eine Farbe durch ein Sieb gedruckt. Die Farben können extra angerührt werden und mit Pigmenten angereichert werden, daher ist der Siebdruck besonders geeignet für flächige Drucke mit hoher Farbbrillanz. Andy Warhol und andere Pop-Art Künstler verwendeten den Siebdruck mit Vorliebe, aber auch ZERO-Künstler wie z. B. Otto Piene und Heinz Mack. 

DIGITALE DRUCKVERFAHREN 

Viele Künstler verwenden heute digitale Verfahren um Kunstwerke gezielt zu verändern, bestimmte fotografische Ergebnisse zu erzielen oder Werke komplett am Bildschirm zu malen. Prominentes Beispiel ist der Fotokünstler Andreas Gurski, der viele Einzelbilder zu monumentalen Kompositionen zusammensetzt. David Hockney gehört zu bekanntesten »klassischen« Malern, die heute vermehrt auch Digitalmalerei erstellen. 

 

02 Sind Drucke nun Originale oder Reproduktionen?

Drucke hatten zunächst natürlich den Zweck, Kunstwerke zu vervielfältigen und somit bekannter zu machen. Bis heute ist es eine wichtige Aufgabe der Druckgrafik größere Sammlerkreise zu erreichen und preiswerte Alternativen zu den meist teureren Unikaten anzubieten. Ein Druck ist aber mehr als nur die reine Wiedergabe eines Motives. Die verschiedenen Techniken der Druckgrafik eröffnen versierten Künstlern ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten und sind für die künstlerische Entwicklung ebenso bedeutend wie Handzeichnungen, Aquarelle oder andere manuell gefertigte Arbeiten. 

Eine Originalgrafik entsteht durch den direkten Einfluss des Künstlers – von der Steuerung der künstlerischen Umsetzung bis hin zur Festlegung des Trägermaterials. Solche Grafiken werden in der Regel in limitierten Auflagen gefertigt und vom Künstler nummeriert und signiert. 

Bei Vervielfältigungen an denen der Künstler nicht mehr involviert ist oder bei denen ein fertiges Kunstwerk ohne weitere Beeinflussung rein fotografisch übertragen wird spricht man von Reproduktionsgrafiken. Diese haben häufig trotzdem einen Sammlerwert, wenn Sie vom Künstler handsigniert wurden. 

 

03 Welche Teilauflagen und Nummerierungen gibt es bei Druckgrafiken?

Zusammen mit einem Verleger oder Galeristen legt der Künstler in der Regel eine bestimmte Auflage fest (Limitierung). Zur farblichen Abstimmung erstellt der Drucker zunächst eine kleine Anzahl von Andrucken, die teilweise sehr deutlich von einander abweichen können. 

Der Künstler wählt eine Variante aus und kennzeichnet diesen Print mit »bon á tirer« (»gut für den Druck« oder »ready to print«, »B.A.T.«). Alle anderen Abzüge werden als »Probe«, »trial proof«, »T.P.« oder »Epreuve« gekennzeichnet und ebenfalls vom Künstler signiert. Probedrucke entstehen also noch vor der eigentlichen Auflage, in manchen Fällen haben Sie durch farbliche Alleinstellung Unikat-Charakter und sind somit bei Sammlern durchaus geschätzt. Die eigentliche Auflage wird genau nach dem ausgewählten Probedruck erstellt. Jeder Abzug wird einzeln nummeriert, zum Beispiel mit 13/50. Die erste Zahl bezeichnet die die individuelle Exemplar-Nummer, die zweite die Gesamtauflage (im Beispiel Exemplar Nr. 13 von gesamt 50). 

Neben einer arabischen Nummerierung entstehen häufig auch römisch nummerierte Teilauflagen. Diese meist kleineren Teilauflagen kennzeichnen häufig eine Vorzugsauflage z. B. für Museen und besondere Sammler. Nicht selten werden diese Editionen auf besonderem Papier (z. B. Japanpapier) gedruckt. Die klei-nere römische Auflage wird von Sammlern meist höherwertig eingeschätzt. 

Der Künstler selbst erhält meist die sogenannten e. a. oder a. p. – Exemplare einer Edition. E. A. steht für das französische »epreuve d’artiste«, a. p. für das englische »artist proof«. Als Daumenregel stehen dem Künstler meist 10 -15 % der Auflage als Künstlerexemplare zu. Bei experimentellen Drucken in Kleinstauflage kann auch die gesamte Auflage als e. a. oder a. p. gekennzeichnet werden. Andy Warhol bezeichnete solche Auflagen gern als »trial proofs« (t. p.), wobei oft jeder Abzug anders war. Wenn die Normalauflagen verkauft sind, kommen die Künstlerexemplare meist in den normalen Handel. Einen Mehrwert stellen Künstlerexemplare meist nur bei den oben genannten Kleinstauflagen dar. Viele Sammler bevorzugen aus Angst vor Fälschungen nummerierte Exemplare. 

Neben den Künstlerexemplaren werden nicht selten auch h. c. Exemplare (»hors commerce« – »außerhalb des Handels«) erstellt. Diese Abzüge entstehen für den Verleger selbst oder auch z. B. für Investoren, die die Grafikauflage finanziert haben. Für den Drucker sind die »printers proofs« (»p. p.«) vorgesehen. Nicht nummerierte Blanko-Exemplare sind meist nicht bezeichnete Künstlerexemplare. Alle Abzüge zusammen bilden die sogenannte »Tirage«, die Gesamtauflage. Sie sollte mit allen Teilauflagen in den Werksverzeichnissen der Künstler verzeichnet sein. Häufig fehlt allerdings eine lückenlose Dokumentation. Selbst für den Künstler oder den Drucker ist es dann kaum noch möglich, die genaue Anzahl der Abzüge anzugeben. 

 

04 Wie wichtig ist die Signatur?

Wesentlich wichtiger als die Nummerierung ist zumeist die Signatur: handsignierte Grafiken sind meist wesentlich wertvoller als nicht signierte Abzüge. 

Frühe Druckgrafiken z.B. von Albrecht Dürer waren in der Regel weder nummeriert noch handsigniert. Der Künstler signierte – wenn überhaupt – in der Druckplatte als Teil des Werkes. Nicht selten wurde nur mit den Initialen signiert. Bei modernen Grafiken des 20. und 21. Jahrhunderts dagegen ist die Handsignatur neben der Seltenheit des Blattes ein wesentlicher wertbestimmender Faktor. Die Signatur zeigt, dass der Künstler den Abzug persönlich in den Händen gehalten und geprüft hat. Einige Künstler haben auch lediglich monogrammiert, also mit ihren Initialen signiert.

Bei großen Auflagen oder Künstlerbüchern mit eingelegten Drucken wurde häufig nur im Editorial signiert und / oder nummeriert, die einzelnen Blätter blieben nicht signiert. 

 

05 Warum wird auf unterschiedlichen Papiersorten gedruckt?

Künstler und Grafikspezialisten achten besonders auch auf die Papierwahl. Häufig werden Editionen mit unterschiedlichen Papiersorten realisiert. Salvador Dalí z.B. erstellte Teilauflagen in verschiedenen Büttenpapieren wie z.B. Arches oder Rives. Jede Papiermanufaktur arbeitet mit einem eigenen Wasserzeichen, mit der man die Papiersorte identifizieren kann. 

Die gewählte Papiersorte beeinflusst das Erscheinungsbild und die Farbwiedergabe. Meist werden hochwertige schwere Papiere bevorzugt, für Vorzugsausgaben wird gern das teurere Japanpapier verwendet. Andy Warhol dagegen wählte für seine berühmte Campbells Suppenserie z.B. bewusst dünnes Papier. 

 

06 Worauf sollten Sie beim Grafikkauf besonders achten?

Die wichtigste Frage ist erst einmal: Ist die Grafik echt? Wie bei Geldscheinen gibt es von wichtigen, wertvollen und begehrten Grafikeditionen häufig Fälschungen. Die modernen Reproduktionstechniken erleichtern den Fälschern dazu noch das Handwerk. 

Die wichtigste Regel: Kaufen Sie immer bei einer vertrauenswürdigen Quelle, die Ihnen die Authentizität der Grafik garantiert. Auf Marktplätzen ohne Qualitätskontrolle wie z.B. ebay sind häufig Fälschungen zu finden. Nichts ist für einen Fälscher leichter, als eine Signatur unter ein Blatt zu setzen, dass der Künstler nie handsigniert hat. Ein Kauf aus einer solchen Quelle ist ein Risiko – und eine Fälschung ist nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist.

Bei älteren Grafiken sollten Sie außerdem auf den Zustand achten: vergilbte oder gewellte Abzüge, Stockflecken oder gar Risse beeinflussen maßgeblich den Wert einer Grafik. Ausgebleichte Farben oder eine Verfärbung des Papiers ebenso. Die Grafik sollte möglichst frisch und gut erhalten sein. Es empfiehlt sich auch unbedingt ein Blick unter das Passepartout: Ist das Blatt im schlimmsten Fall beschnitten oder mit säurehaltigem Klebeband fixiert dann mindert auch das den Wert meist deutlich.

Den Wert der Grafik bestimmen außerdem natürlich vor allem die Bekanntheit und Hochrangigkeit des Künstlers und das Motiv – besonders typische Werke sind langfristig meist besonders gefragt. 

Auch die Auflage bestimmt den Wert einer Grafik – je seltener ein Blatt desto besser. 

 

07 Tipps zur Aufbewahrung und Einrahmung

Wenn Sie ein schönes Kunstwerk erworben haben, möchten Sie, dass es ein Leben lang schön und wertvoll bleibt. Sie selbst können einiges dafür tun. Hier ein paar Tipps:

  • Benutzen Sie beim Einrahmen ein Passepartout, damit die Graphik nicht auf dem Glas aufliegt und zwischen Glas und Grafik Luft zirkulieren kann. 
  • Achten Sie darauf, dass für Passepartout, Montagebänder, Verklebung und Rückwand nur säurefreie und lösungsmittelfreie Materialien verwendet werden. Eine Rückwand aus Pressholz enthält z.B. Lösungsmittel, die Ihre Grafik wie ein Löschblatt aufnehmen kann.
  • Beschneiden Sie niemals (!!!) die Ränder einer Druckgraphik. Das Blatt wird damit zerstört.
  • Schützen Sie Ihre Grafik mit optimaler Verglasung. Museumsglas hoher Qualität filtert das UV-Licht fast vollständig aus, durch spezielle Mikroätzung entstehen auch wesentlich weniger Spiegelungen und sie sehen wesentlich mehr von Ihrem Kunstwerk.
  • Hängen Sie die Grafik nicht an eine Stelle, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Bild nicht direkt auf der Wand aufliegt, hinter dem Bild sollte etwas Luft zirkulieren können. Feuchtigkeit und Schimmel sind neben Feuer der schlimmste Feind ihrer Grafik!

Matthias Kellermann