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Basistips für Kunstsammler und -Investoren

In Kunst zu investieren ist längst kein Geheimtipp für Insider mehr. Kaum ein anderer Markt hat sich in den letzten 20 Jahren so rasant entwickelt wie der Kunstmarkt. Viele Sammler konnten ihr investiertes Kapital so nachhaltig vervielfachen.

Autor:
Nico Sauerland
Art Consultant

Allein die Werke der ZERO-Gruppe wie z. B. Günther Uecker, Otto Piene oder Heinz Mack haben ihre Werte seit dem Jahr 2000 teilweise verzehnfacht. Der asiatische Markt – insbesondere China – boomt ungebrochen. Im Gegensatz zu den Kapitalmärkten, die z. B. vom großen Immobiliencrash oder von der Griechenlandkrise geschüttelt wurden, hat sich der Kunstmarkt relativ stabil entwickelt.

Wenn Sie selbst in Kunst investieren möchten, sollten Sie sich aber insbesondere als Einsteiger genau informieren. 

IN KUNST INVESTIEREN IST ANDERS 

Wer in Kunst investiert, sucht meist nicht den schnellen Gewinn, sondern einen langfristigen Werterhalt. Zu dem Aspekt der reinen Wertanlage kommt der tägliche Genuss an einem Werk, eine emotionale Bindung und der Besitzerstolz. Kunst bereichert das Leben ästhetisch und intellektuell. Wer ein schönes Kunstwerk erwirbt, möchte damit leben und nicht selten das Werk oder sogar eine Sammlung an die nächste Generation weitergeben bzw. vererben. Viele Kunstsammler investieren viel Zeit beim Aufbau Ihrer Sammlung, gehen in Galerien, Ausstellungen und zu internationalen Kunstmessen. Die Auseinandersetzung mit der Kunst hat dabei immer auch einen hohen gesellschaftlich-kulturellen Wert. Der direkte Kontakt mit Künstlern und das Erlebnis Ihrer Arbeitsweisen ermöglicht ganz neue faszinierende Einblicke. 

KUNST ALS MEHRWERT FÜR IHR UNTERNEHMEN 

Kunst ist nicht nur eine schöne Dekoration für Unternehmensräume, Sie ist auch Aushängeschild und Visitenkarte. Kunstvoll ausgestattete Arbeitsräume schaffen eine kreative Atmosphäre und erhöhen signifikant die Mitarbeitermotivation und Unternehmensbindung. Dabei lohnt oft die Investition in junge Künstler, deren Arbeiten i. d. R. wesentlich preisgünstiger sind als Werke etablierter Künstler. Im Vergleich zu Kunstdrucken und Postern haben diese Werke dennoch eine Wertsteigerungschance und meist eine ganz andere Ausstrahlung. Als Tüpfelchen auf dem i können Sie die Ausgaben für Kunst in Ihren Firmenräumen steuerlich absetzen. Auch Unternehmer und Kunstsammler Dr. Reinhold Würth empfiehlt Unternehmern in Kunst zu investieren: »In meinem Fall wurde durch die Kunstförderung meines Unternehmens der Name Würth enorm transportiert. Würth hat verständlich gemacht, dass wir uns auch mit den schönen Seiten des Lebens beschäftigen. Die Mitarbeiter fühlen sich in diesem Szenario sehr wohl.« 

DIE CHANCEN UND RISIKEN 

Im Vergleich zu herkömmlichen Wertanlagen am Kapitalmarkt verspricht die Investition in Kunst eine gewisse Sicherheit. Totalverluste, insbesondere bei etablierten Künstlern, sind trotz Wertschwankungen kaum möglich. Rückschläge auf dem Börsenmarkt können sich dennoch auch auf den Kunstmarkt durchschlagen, weil Sammler in der Regel auch auf dem Kapitalmarkt tätig sind. Allerdings sind die Ausschläge nach unten in der Regel wesentlich schwächer. 

Allerdings ist der Kunstmarkt im Vergleich zum Börsengeschehen wesentlich weniger transparent, gerade für Einsteiger erscheint er oft undurchschaubar und erfordert eine gewisse Vorkenntnis und Beschäftigung. Hinzu kommen nicht selten geschickte Fälschungen, die Echtheit eines Werkes ist von Laien oft nicht festzustellen. Es empfiehlt sich daher unbedingt eine Beratung von Kunstexperten und der Einkauf über seriöse Quellen, die für die Echtheit garantieren und dies entsprechend zertifizieren. 

WAS SIND DIE WICHTIGSTEN FAKTOREN FÜR DIE WERTENTWICKLUNG? 

Entscheidend für den Wert eines Kunstwerkes sind die Fragen: 

› Wie etabliert und gefragt ist der Künstler? 

› Was für eine Stellung hat das Werk im OEuvre des Künstlers? 

› Handelt es sich um ein Unikat? In welcher Technik? 

› Wie ist der Zustand des Werkes? 

Sie werden es schon ahnen: Je etablierter und gefragter ein Künstler auf dem Markt, desto teurer seine Werke. Wobei es durchaus etablierte Künstler gibt, die unterbewertet sind – und solche, die viel zu hoch bewertet sind. Bei den letzteren spricht man auch von einem »Hype«, der früher oder später wie eine Seifenblase platzt. Sie erkennen wirklich etablierte Künstler an ihrer musealen Präsenz, an einer bedeutenden Ausstellungshistorie (wie z. B. documenta oder Biennale Venedig) und an ihrer Position im internationalen Künstler-Ranking. Die Preise für diese Künstler sind zwar relativ hoch, aber die Werte sind in der Regel relativ stabil und sicher. 

Besonders interessant sind häufig die aufstrebenden »mid-career artists«, die bereits ein relevantes Oeuvre und eine gute Ausstellungs-Vita ausweisen können. Idealerweise sollten einige Museen und Auszeichnungen /Awards mit dabei sein und die Künstler sollten auf relevanten Messen vertreten sein. Hier verbergen sich häufig Künstler mit hohen Wertsteigerungschancen. 

Unbekannte und noch ganz junge Künstler sind meist relativ preiswert, hinsichtlich der Wertentwicklung gibt es aber auch die meisten Fragezeichen. 

Bei den meisten Künstlern gibt es Werke, die besonders herausstechen und die besonders werthaltig sind. Diese sollten besonders typisch für den Stil des Künstlers sein, eine besondere Wendung in seinem Werk markieren oder Ähnliches. Versierte Kunstberater und Galeristen können Sie dazu kompetent beraten. 

Erfahrene Sammler erwerben in der Regel Unikate. Sie sind wesentlich werthaltiger als Grafiken und Multiples und müssen nicht wesentlich teurer sein. Dabei spielt auch das Material eine Rolle: Arbeiten auf Leinwand schlagen in der Regel Papierarbeiten um Längen. 

Und schließlich sollte der Zustand eines Werkes tadellos sein. Wer will schon ein beschädigtes oder vergilbtes Kunstwerk kaufen? 

MIT WELCHER STRATEGIE SOLLTEN SIE INVESTIEREN? 

Ihre persönliche Strategie hängt immer von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft ab – und von Ihrem Geschmack. Ich persönlich empfehle meinen Kunden nie ein Werk zu kaufen, das ihnen nicht gefällt. Sie haben sonst schlicht keine Freude an Ihrer Kunst und vergeben sich einen mit Geld nicht zu beziffernden Mehrgewinn. Wenn Sie risikobereit sind, sollten Sie auch junge, unbekannte Künstler fördern. Als Investment bieten sich jedoch meist eher mid-career-Künstler und etablierte Künstler an. Wenn Sie eine hohe Wertentwicklung wollen, dann suchen Sie nach Künstlern, die unterbewertet sind (wie z. B. die ZERO-Künstler noch vor 10 Jahren) oder die den großen Karrieresprung noch vor sich haben. Um dies zu erkennen, ist allerdings meist ein umfangreiches Insiderwissen erforderlich. Um das zu erwerben, sollten Sie gute Galerien und Messen besuchen – ein erfahrener Berater ist hier Gold wert. 

Letztendlich hängt die richtige Strategie natürlich auch von Ihrem Budget ab. Können Sie mehr ausgeben, sollten Sie vorrangig Unikate erwerben. Bei etablierten Topkünstlern kosten diese jedoch meist bereits 6-7stellige Beträge und sind somit sehr kapitalintensiv. Als preiswertere Alternativen bleiben hier meist nur Multiples und Grafikeditionen, weswegen besonders schöne Editionen von Topkünstlern meist schnell vergriffen sind. Bietet sich Ihnen die Gelegenheit, sollten Sie direkt bei der Herausgabe des Werkes zugreifen. Einige Jahre später sind dieselben Werke meist bereits wesentlich teurer. 

STEUERLICHE ASPEKTE 

Kunstwerke sollten idealerweise eine längere Zeit im Besitz eines Sammlers bleiben, zumindest jedoch 1Jahr. Vor dieser sogenannten Spekulationsfrist müssen die Verkäufe voll besteuert werden – je nach persönlichem Steuersatz mit bis zu 45 %! Sie sollten auch nicht zu viele Werke in kurzer Zeit veräußern, ab drei Verkäufen pro Jahr unterstellt das Finanzamt gern eine gewerbliche Absicht. Auch systematische Ankäufe mit der Absicht einer langfristigen Gewinnerzielung können problematisch sein. Kann das Finanzamt das nachweisen, wird von einer gewerblichen Tätigkeit ausgegangen – auch dann, wenn gar kein Gewerbe angemeldet wurde. Ansonsten gelten Kunstkäufe als Liebhaberei oder private Vermögensverwaltung und müssen nicht besteuert werden. Um sicher zu gehen sollten Sie solche Fragen ggf. mit Ihrem Steuerberater diskutieren. 

Matthias Kellermann

Die Musealisierung der Straße
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