Raus aus der Komfortzone!

Maximilian Magnus‘ dynamische Arbeiten sind vom Leben inspiriert. Mit dem Geld für seine Kunst pflanzt der Künstler Bäume und hofft, dass sich die Betrachter in seinen expressiven Werken wiederfinden.

Ein Atelierbesuch bei Maximilian Magnus

Im Atelier von Maximilian Magnus geht es alles andere als gemütlich zu: Der Künstler schafft große, gestische Bilder und expressive Kompositionen. Um das, was ihn bewegt, auf die Leinwand zu bringen, verlässt Maximilian seine Komfortzone und arbeitet mit vollem Körpereinsatz. Aus seinen kraftvollen und ausgedehnten Bewegungen entstehen gewaltige Malereien in Öl- und Acrylfarben, Lack, Kohle oder Bleistift. Seine dynamischen Gemälde vermitteln das Gefühl, einen Teil seines Innersten kennenzulernen.

Ganz in der Tradition des Action Paintings arbeitet Maximilian mit unkonventionellen Maßnahmen: „Die Leinwand ist oft ungespannt und an die Wand oder den Boden getackert, damit sie meinen ganzen Körper und meine ganze Energie aufnehmen kann. Ich bin nicht unbedingt vorsichtig und arbeite mit meinem ganzen Körper, um kraftvolle Gesten zu hinterlassen.“ Dass dieses Vorgehen an eine Choreografie erinnert, hat einen Grund: In seiner Kindheit tanzte Maximilian viel Ballett und beobachtete viele Gemeinsamkeiten beider Disziplinen: „Beim Tanzen improvisiert man und folgt seinen Emotionen, so wie man es auch beim Malen tut.“ Obwohl er für seine ausdrucksstarken und schwungvollen Linien seinen ganzen Körper einsetzt, besitzen seine Arbeiten große Eleganz und Leichtigkeit. Nahezu instinktiv überträgt Maximilian seinen dynamischen Ansatz auf die Leinwand – wie in einer Choreografie. Und auch sonst bewegt sich der Künstler gerne außerhalb seiner Komfortzone: Sein sozialpolitisches Engagement zeigt sich zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit Viva con Agua. Von Anfang an unterstützt Maximilianmit viel Herzblut das Social-Business-Projekt der Millerntor Gallery, bei dem die universelle Sprache und Kraft der Kunst Menschen in Ländern wie z. B. Mosambik den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht.

Mit dem Geld, das er mit seiner Kunst verdient, unterstützt Maximilian zumeinen andere Künstler, indem er ihre Bilder kauft und pflanzt zum anderen Bäume auf seinem Grundstück im Allgäu. Durch den Anbau von regionalen Obstsorten möchte er das Gelände der Natur zurückgeben. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Unterallgäu e. V. pflanzte Maximilian 225 Bäume und Sträucher auf seinem 3,5 Hektar großen Land. Auch eine 100m lange, 8m breite und 3m hohe Steinskulptur ist dort zu bewundern, die er aus 1.600 Tonnen Material erbaut hat. Diese dient Eidechsen und Wildbienen als Lebensraum und steht im weiteren Sinne für Inklusion, Schutz,Geborgenheit, Integration, Wärme und Zuhause. Außerdem hat der Künstler mit dem Projekt TreeHouse in Unteregg einen Ort geschaffen, an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsame Projekte zu entwickeln und Neues entstehen zu lassen. „Ich habe mich gefragt, was ich der Welt hinterlasse“, sagt der Künstler. Sein Engagement soll einen nachhaltigen und sinnvollen Beitrag in der Welt leisten.

In seiner Allgäuer Heimat würde man Maximilian wohl einen „Wulerer“ nennen: Der Künstler ist ein wahres Energiebündel und steckt voller Tatendrang. Nach seiner praktischen Ausbildung zum Bühnenmaler, die er bei seinem Vater in dessen Atelier Schmidbauer in Unteregg absolviert hat, zieht es ihn 2007 nach New York: Von dem amerikanischen Regisseur, Theaterautor und Bühnenbildner Robert Wilson wird Maximilian in das Watermill Center eingeladen, um dort einen Workshop für Bühnenmalerei durchzuführen. In New York trifft er auch Lisa de Kooning, Tochter des berühmten Künstlers Willem de Kooning. Auf ihre Einladung hin malt er als erster Künstler im Atelier des abstrakten Expressionisten, darf in seinem Studio leben und ausstellen. Später entwickeln er und Lisa de Kooning gemeinsam die Residency für das WDK Studio. In dieser Zeit trifft Maximilian die Größen der New Yorker Kunstszene, Larry Gagosian persönlich ist in seine Preisfindung involviert.

Nach seiner Rückkehr lebt Maximilian einige Jahre in Berlin, wird als Artist in Residence vom Tofiq House in São Paulo eingeladen und verbringt mehrere Monate in Brasilien. Kurze Zeit später übernimmt er das angesehene Geschäft seines Vaters, gründet die Academy of Scenic Painting & Art sowie die Kinder Kunst Akademie in Unteregg. Seine Bilder werden auf der internationalen Biennale junger Kunst in Moskau gezeigt, später in Polen, Jerusalem und auf der Miami Art Basel. Die Kontakte, die er bei internationalen Ausstellungen und Festivals knüpft, machen eine weltweite Kunstszene auf ihn aufmerksam.

Seine Wurzeln hat Maximilian trotzdem nicht vergessen. Zusammen mit seinem Vater, der gelernter Bühnenmaler ist, hat er für die renommierten Passionsspiele Oberammergau in 2019 und 2020 das insgesamt ca. 6.000 m2 große Bühnenbild in seinem Atelier gemalt – für ihn ein ganz besonderes Vater-Sohn-Projekt. Die 580 m2 große Atelierhalle im Unterallgäu beherbergt Maximilians meterhohe Leinwände: „Je größer sie sind, desto besser, dann kann man sich darin verlieren.“ Trotz oder geradewegen dieser Extravaganz ist der Künstler auffallend sympathisch und authentisch geblieben und offenbart auch seine sensible Seite: „Die leere Leinwand ist einer meiner verletzlichsten Momente. Der Moment, in dem alles möglich ist.“ Beim Malen hat er stets die Hoffnung, dass die Betrachter sich in seinen Werken erkennen oder wiederfinden: „Ich will etwas schaffen, das die Menschen berührt.“

 

Autor:
Daniel Janzen
Art Consultant